Avalon

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/avalon.jpgLaut mythischer Überlieferung ist Avalon ein von Nebeln umgebener paradiesischer Ort, der von neun Priesterinnen der Großen Göttin bewohnt wird, die die hohe Kunst der Heilkunde beherrschen. Der Nebel trennte die heidnischen Priesterinnen von der Außenwelt, selbst die Mönche der daneben liegenden Abtei konnten nicht durch den dichten Nebel hindurch dringen. Die Ankunft auf Avalon war nur Eingeweihten möglich, welche die Macht hatten, die heilige Barke zu rufen, die den Weg durch die Nebel fanden.

Die Legende von Avalon ist vor allem bekannt durch die keltischen Sagen um den Druiden Merlin, die Zauberin Morgen la Fey  und die Ritter der Tafelrunde des König Arthus.
Einiges deutet darauf hin, dass es sich bei der Insel Avalon um den geschichtsträchtigen südenglischen Ort Glastonbury handelt, da sich dieser zum einen auf der geomantischen Ley-Linie befindet, und darüber hinaus markante historische Merkmale für solch eine Annahme liefert: Bereits 200 v. Chr. besiedelten die sagenhaften »Lake Village People« diesen von Salzwassersümpfen umgebenen Ort. König Arthus soll in der Abtei zu Glastonbury mit seiner Gattin Guinevere beigesetzt worden sein. 1191 entdeckten die Mönche bei Renovierungsarbeiten auf ihrem Friedhof einen Baumsarg. Die beiden darin liegenden Skelette wurden als angebliches Grab von König Arthus und seiner Gattin Guinevere bezeichnet, da ein Bleikreuz mit der Innenschrift " Hier liegt der berühmte König Arthus mit seiner zweiten Frau Guinevere auf der Insel Avalon begraben" dabei gelegen haben soll. Südlich von Glastonbury befindet sich eine Festung aus dem Ende der Eisenzeit, von der man behauptet, es sei der königliche Hof Camelot. Wegen dieser und etlicher anderer Sagen die sich um diesen südenglischen Ort drehen, erhebt Glastonbury den Anspruch, selbst das mythische Avalon zu sein.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/glastonbury tor1.jpgVieles deutet auch darauf hin, das Glastonbury noch vor etwa 1.200 Jahren von großen Seen umgeben war und dieser hügelige Ort eine Insel bildete. Auch heutzutage kann sich Glastonbury bei lange anhaltendem Regen in eine Art Insel verwandeln, denn dann bilden sich aus den umgebenden Mooren und Sumpflandschaften große Seen, die den Ort umschließen. Durch die geographische Lage, knapp unterhalb des Meeresspiegels, eingebettet in die umgebende Hügellandschaft der Grafschaft Somerset, liegt es nahe, dass die in der avalonischen Sage erwähnten Nebel, wie sie bis zum heutigen Tage immer wieder auftreten, einst diesen geheimnisvollen und geschichtsträchtigen Ort umschleierten.

Doch trotz all dieser Annahmen kann die endgültige Lokalisierung der Insel Avalon nicht eindeutig zugeordnet werden. Dieser mythische Ort ist anscheinend unserem heutigen Blick entschwunden, und wir können uns seine irdische Existenz aus den hier geschilderten Schemen mythologischer, geschichtlicher und geographischer Informationen lediglich zusammenreimen. Das ist bestimmt einer der Gründe, wieso Avalon oft auch als ein Ort beschrieben wird, der jenseits der stofflichen Welt existiert, und sich auf der astralen Weltebene befindet – eine Art Lichtland, wo sich die Seelen frei von Stofflichkeit bewegen können, und nicht den Täuschungen der Materie anheimfallen. Ähnlich dem mystischen Königreich Shambhala, wie es in den tibetischen Legenden erwähnt wird, ist Avalon nicht unbedingt nur ein physischer Ort auf der Erde, sondern auch ein Konzept spiritueller Vollkommenheit, dass sich jedoch auf der Erde an bestimmten Orten manifestieren kann, so wie eben in Glastonbury.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/glastonbury tor.jpgAls der legendäre König Arthus wegen seiner tödlichen Wunden aus der Schlacht von Camlann im Sterben lag, wurde er zu den Ufern des Sees gebracht, der die Insel von Avalon umgab. Dort wurde er in die Barke von Avalon gelegt und vom Bootsmann Barinthus, der die Muster der Sterne am Himmel kannte, durch die Nebel gefahren. Auf dieser Überfahrt nach Avalon wurde Arthus von drei Feenköniginnen begleitet: der Königin von Northgalis, der Königin der verwüsteten Lande und Morgan la Fey, seiner Halbschwester. In ihrer Rolle als Hebamme der Seelen half und hilft Morgen la Fey den Sterbenden hinüberzugehen zur anderen Seite des Lebens. Arthus reiste nach Avalon, damit seine karmischen Wunden geheilt werden. Die 9 Morgans (Schwestern) von Avalon, die Dreifache Dreiheit der Großen Göttin, sind mächtige Heilerinnen.

Der Name Morgan stammt aus derselben Wurzel wie das irische Morrigan oder Mor Rigan - Große Königin, so wie das walisische Rhiannon von Rigantona (Rigani) stammt, einer anderen Großen Königin. Die walisische Sprache hat gemeinsame Wurzeln mit der Sprache des alten britischen Volkes. Im walisischen bedeutet Morgan, Modron oder Madron = Mutter. Oft wird die Göttin Morrigan in Zusammenhang mit Morgan le Fay gebracht. Sie wird auch als eine von neun Schwestern genannt (hier gibt es Ähnlichkeit zu den griechischen Musen und zu den germanischen Walküren, denn diese waren auch deren Neune). Morgan bedeutet auch Meergeboren. Morgan la Fey ist auch bekannt als Morgaine und Morgana, was bedeutet, dass sie auch Morg-Ana ist, die Große Ana, eine der ältesten namentlich bekannten Göttinnen. Ana wiederum, auch bekannt als Danu/Danaa ist die Mutter-Göttin der Tuatha de Danaan, des Volkes der Göttin Danu (der Fluss Donau wurde nach ihr benannt). Sie waren die Strahlenden, die in der keltischen Legende verewigt wurden, besonders in Irland. Es wird vermutet, dass es die Tuatha de Danaan waren, die die neolithischen Steinkreise gebaut haben. Diese Steinkreise ehren die Göttin und verbinden Erde und Himmel. Die Überreste dieser uralten Ritualstätten können noch immer überall gefunden werden.

Morgen la Fey, Morgen die Fee oder Morgen des Schicksals, ist die berühmteste der neun Morgens. Sie wurde als König Arthus Feen-Halbschwester unsterblich gemacht, und wird auch als die Lady Avalon und eine Inkarnation der Göttin Morrigan gesehen. In den frühen Legenden über Arthus ist sie eine Göttin, die Morgan, Morrigan, die Große Königin, die Weise und ewige Nymphe genannt wird. In späteren Versionen der Legende wurde Morgan le Fay dämonisiert, wie so viele Göttinnen vor ihr. Es hieß sie sei eine böse, hinterhältige, rachsüchtige Frau, die gegen ihren Bruder intrigierte. Wie dem auch sei, als Arthus im Sterben liegt, ist es Morgan zu der er zurückkehrt, um Trost und Heilung zu erhalten, während er in der Barke über den See nach Avalon reist. Nach Geoffrey von Monmouth ist in der Vita Merlinii, Morgan die erstrangige der neuen Schwestern, die auf Avalon weilen. Morgan le Fay ist wohl diejenige unter den neun Morgans, die am meisten Erinnerungen heraufbeschwört. In Legenden und Geschichten ist sie als Morgana, Morgaine, Morgan und Morgenoe bekannt. Sie ist die Schützerin der Priesterinnen und Hexen, der Nacht, der Magie, sowie der Gabe der Prophezeihung. Sie ist die Hüter der Mysterien und führt uns tiefer und tiefer in ihre fesselnden Nebel. Morrigan ist der deutschen Göttin Holle sehr ähnlich. Sie ist die große Heilerin, die uns von unseren tiefsten Wunden heilen kann. Sie zeigt uns den Weg und winkt uns zu, ihr über das Wasser nach Avalon zu folgen. Den Legenden nach lehrt sie ihre Schwestern die Kunst der Mathematik, die all die grundlegenden Gesetze des natürlichen Universums umfasst, denn sie ist die Mutter von Zeit und Raum, die Weberin des Netzes, der Matrix des Lebens selbst.

Avalon gilt heute als das spirituelle Zentrum für Matriarchale Spiritualität - die Verehrung der Großen Göttin, Ihren Archetypen (und Ihren Gefährten, des gehörnten Gottes). Ein Ort, wo die Tore zur Anderswelt noch offen sind. Die Ankunft auf Avalon ist jedoch nach wie vor nur Eingeweihten möglich. Diejenigen, die ihr Herz für Avalon und die Göttin öffnen, können die heilige Barke rufen und den Weg durch die Nebel finden.