Yin Yoga

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Yin Yoga ist auch bekannt als Faszien-Yoga oder Daoistischer Yoga und steht in der ursprünglichen, alten Tradition der lange gehaltenen Körperstellungen, die wesentlich älter ist als die modernen bewegten Yang-Yogastile wie Power- und Vinyasayoga. Diese Übungsform stellt eine ideale Ergänzung zu unserem aktiven, von Stress geprägten westlichen Lebensstil dar. Und sie bereichert jede andere Yogapraxis. Es geht vor allem darum die Positionen möglichst passiv und entspannt einzunehmen. Kraft, Koordination oder Kondition spielen keine Rolle. Das Einzige, was wir brauchen ist Geduld und die Bereitschaft, in uns hineinzuspüren und uns und unsere Grenzen achtsam zu erkunden.

Ziel ist die energetische Balance

Yin Yoga wirkt auf körperlicher, geistiger und energetischer Ebene wohltuend und gesundheitsfördernd. Um die Wirkweise zu verstehen, ist westliches und traditionelles östliches Heilwissen dienlich. Chinesische und ayurvedische Medizin, yogische und tantrische Wissenschaften, gepaart mit westlicher Anatomie und Neurowissenschaften, all das fließt in diese Art des Yoga ein.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/yinyang.jpgIn der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und im Ayurveda, der indischen Gesundheitslehre, ist die Lebensenergie ein zentrales Thema. Beide Methoden kennen energetische Leitbahnen im Körper – in der TCM als Meridiane bezeichnet, im Ayurveda als Nadis -, die im Yin Yoga eine wichtige Rolle spielen.

Laut TCM spiegelt sich die Gesundheit in drei feinstofflichen Aspekten, den sogenannten „drei Schätzen“, wider: Jing (Lebensessenz), Qi (Energie) und Shen (Geist). Diese sind durch naturgemäße Lebensführung, Bewegung, Ernährung und Kräuter positiv beeinflussbar. Uns interessiert beim Yin Yoga vor allem die Energie.

Die Chinesen nennen sie Qi, die Inder Prana, die Griechen Pneuma, Wilhelm Reich bezeichnete sie als Odem – in vielen Heilkonzepten ist von dieser Energie die Rede.

Wie man aus der TCM weiß, werden die Organe über energetische Leitbahnen (Meridiane) mit dem Qi, der Lebensenergie, versorgt. Diese Bahnen laufen in feinstofflicher Form wie ein kommunikatives System auf der gleichen Ebene wie die Faszien und verbinden die Organe wie ein Netzwerk miteinander.

Forschungsergebnisse der letzten Jahre zum Bindegewebe haben ergeben, dass die Akupunkturpunkte, die in der TCM gezielt behandelt werden, um die Meridiane positiv zu beeinflussen, sich auf Faszien-Kreuzungspunkten treffen. Diese Punkte sind mit Rezeptoren versehen und reagieren reflektorisch, also durch einen Reflex bedingt. So regen sowohl Akupunkturnadeln als auch bestimmte Yin-Haltungen die Bereiche an, in denen die Blockaden sitzen, und geben entsprechend aktivierende Reize an das Gehirn weiter.

Da die Faszien genau wie die Meridiane mit Informationen über die Nervenbahnen kommunizieren, werden sie zu Reaktionen stimuliert. Hier werden dann die Selbstheilungsprozesse angeregt, insbesondere der Yin-Meridiane, die von den Zehen aufwärts laufen und sich in Beinen und Rumpf treffen. Die Yang-Meridiane befinden sich im oberen Bereich des Körpers.

Durch das praktizieren von Yin Yoga wird der Stoffwechsel angeregt, der Abtransport der Schlacken gefördert und eine Reinigung der Meridiane aktiviert. Dies ist auch der Grund, warum man nach einer intensiven Yin-Praxis viel Durst, gleichzeitig aber auch den Drang nach Wasserlassen verspürt.

Vereinfacht ausgedrückt werden je nach Übung unterschiedliche Meridiane stimuliert:

Vorbeugen wirken sich durch den an der Beinrückseite und am Rücken entlanglaufenden Meridian positiv auf die Blase aus.

Grätschen der Beine wirkt auf die Lebermeridiane.

Rückbeugen beeinflussen das Qi des Magens, der Milz und der Niere.

Bei Drehungen und Seitwärtsneigungen wird der Gallenblasenmeridian stimuliert.

Wenn zusätzlich die Arme in den Haltungen nach oben gestreckt werden, arbeiten auch die Meridiane von HerzLunge und Darm aktiv mit.

Über die Kunst, im Yin-Stil zu üben:

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/yinyogafisch.jpgMit Yin Yoga anzufangen ist einfach. Es gibt nicht die einzig richtige Haltung – und es gibt nicht den einen richtigen Weg, in eine Haltung hinein und aus ihr heraus zu kommen, sondern ganz unterschiedliche Wege.

Auf den eigenen Körper hören:

Für Anfänger und „anders“ konditionierte Übende mögen die Freiheiten im Yin Yoga anfangs etwas ungewohnt sein. Wo und wie soll ich meine Beine, Arme, meinen Kopf halten? Was ist richtig? Natürlich erhalten die Übenden Anweisungen, aber einen Standard, der für alle zutrifft, gibt es einfach nicht. Daher werden die Übenden bei jeder Stellung aufs Neue aufgefordert, in ihren Körper hineinzuspüren, die Anweisungen zu hinterfragen und gegebenenfalls ihren Bedürfnissen anzupassen. Jeder Mensch und jeder Körper ist Einzigartig! Und jede Veränderung der Haltung hat eine unterschiedliche Dehnung und andere Auswirkungen zur Folge! Umso wichtiger ist es, gut auf den eignen Körper zu hören.

Das „Wohlweh“ erfahren

Beim Üben verweilen wir minutenlang in einer Position. Dabei schulen wir unseren Körper, mal etwas Unbequemes auszuhalten, und zugleich lernt das auch unser Geist. Es geht um ein „wohlweh“ im Körper, also um eine moderate Intensität zwischen Zuviel und Zuwenig – gerade so, dass wir persönlich davon profitieren können. Bei einem zu schwachen Reiz bleibt die Wirkung in Körper und Geist aus, oder die Resonanz ist zumindest nicht optimal. Bei zu starken Reizen kann die Intensität sogar schaden.

So entspannt wie möglich

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/yinyogaraupe.jpgFür die mehrminütige Haltezeit einer Yin-Yoga-Stellung sollten die Muskeln entspannt sein. Nur dann erfährt das Bindegewebe die richtige Ansprache und Belastung, das erforderliche Maß an förderlichen Trainings-, Wachstums- und Regenerationsreizen. Es ist nicht notwendig und auch nicht möglich, dass alle Muskeln völlig entspannt sind. Wir sollten nur so entspannt wie möglich sein. In der Vorwärtsbeuge z.B. können wir auch mal den sanften (!) Zug unserer Arme nutzen, um die Dehnung des Bindegewebes unseres Rückens oder der Beine zu erhöhen. Wir gehen allerdings immer nur bis zu einer angemessenen Grenze, wo wir eine sanfte, moderate Dehnung spüren. Ansonsten üben wir möglichst ohne Muskel- und Körperspannung.

Wir nehmen die Stellung so gut wie möglich mit oder ohne Hilfsmittel nach unserem aktuellen körperlichen und geistigen Vermögen ein und erzeugen das Wohlweh. Ziel ist nicht, dass die Haltung „richtig“ aussieht, sondern dass wir uns wohl darin fühlen und die gewünschte Wirkung eintritt. Dies kann schon der wunderbare Effekt der Entschleunigung, der Entspannung, des Nichttuns sein.

Im Yin Yoga erwärmen wir die Muskeln und Strukturen bewusst nicht durch ein Aufwärmprogramm. Es ist ideal, wenn die Muskeln noch kalt sind.

Kleidung, Matte und Co.

Ziehe bequeme Sportkleidung an, am besten im Zwiebelprinzip, da dir durch die entspannte Muskulatur und das längere Halten der Stellungen tendenziell kühler sein wird und denke bitte auch an dicke Socken, damit die Füße nicht auskühlen. Keine Sport- oder Gymnastikschuhe!

Als Unterlage bringe eine Yogamatte mit. Decken, Gurte und Blöcke werden im Unterricht von mir zur Verfügung gestellt.

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