Yin Yoga

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/A265D317-95EA-4E12-A267-AB8004D04169.jpegIm Yin Yoga erlernst du verschiedene Yin Yoga Haltungen (Asanas) in Verbindung mit Atmung, mentaler Ausrichtung, Achtsamkeit und Meditation. Du erfährst, wie du verschiedene Meditationstechniken verwenden kannst, um die Wirkung von Yin Yoga zu vertiefen.

Die Begriffe Yin und Yang stammen aus dem chinesischen Kulturkreis und bezeichnen die Polarität, die unser Leben als Menschen dominiert. Die moderne Lebensweise ist in hohem Maße von Yang-Qualitäten bestimmt, wie Aktivität, Leistungsdruck, Stress und Hektik. Die dringend benötigten Yin-Eigenschaften (Entspannung, Ruhe, Erholung und Regeneration) bleiben daher oftmals auf der Strecke.

Im Yin Yoga geht es um das Ankommen bei dir selbst auf allen Ebenen. Dein Körper wird beweglicher, die Energie-Ströme harmonisieren sich, der Geist kommt zur Ruhe und die Seele atmet auf. Yin Yoga wirkt unter anderem vor allem in den tieferen Schichten des Körpers, wie Faszien (Bindegewebe), Organen, Knochen und Gelenken. Die Yoga-Stellungen (Asanas) werden im Yin Yoga über einen Zeitraum von 3 - 5 Minuten - oder auch länger - gehalten. Durch dieses lange Halten wird der Energie-Fluss („Qi“ oder im Yoga „Prana“ genannt) harmonisiert. Der Qi-tl_files/devananda/bilder-bei-texte/17B009E4-EB2B-4BBA-9AFA-4427E2F95588.jpegFluss wird bei vorhandenem Energiemangel angeregt und bei übermäßigem Qi, dass sich unter anderem durch Stress und Nervosität bemerkbar machen kann, ausbalanciert. Die Energiebahnen des Körpers (Meridiane oder Nadis) werden durch gezielte Übungen stimuliert, wodurch die inneren Organe tiefenwirksam harmonisiert werden. Ein harmonischer Qi-Fluss bildet die Basis der Gesundheit von Körper, Geist und Seele.

Durch den kreativen Umgang mit den klassischen Asanas und das längere Halten der Stellungen können Körper und Geist von einer neuen Perspektive her erfahren werden. Das absichtslose (passive) Verweilen in den Yin Yoga Posen eröffnet einen meditativen Raum zur Erforschung von Atem, Gedankenmuster und Emotionen. Durch die mentale Ausrichtung, z.B. auf den Atem, kann das Gedankenkarussell langsamer und die Identifikation mit den Geistesinhalten gelockert werden.

Du lenkst den Atem (Prana, Qi) durch Konzentration, Imagination und Visualisierung in verschiedene Stellen im Körper, um alle inneren Gewebe aufzuwecken. Dadurch belebst du den Körper mit Bewusstheit, Achtsamkeit und Gewahrsein. Außerdem kann Yin Yoga dir helfen die Position des Beobachters zu kultivieren, jenseits aller Urteile, Bewertungen und tl_files/devananda/bilder-bei-texte/343D6DF7-BDD2-425C-A790-C9B0C9EFFECD.jpegAnalysen. Die Übung des Loslassens der leistungsorientierten Sichtweise wird zu einer lohnenden Herausforderung, die heilsame Erkenntnisprozesse auslösen kann. Emotionen, die im Bindegewebe gespeichert sind, können freigesetzt und mit einem mitfühlenden Herzen betrachtet werden. Die Propriozeption (die Körper-Innenwahrnehmung, eine Fähigkeit des Bindegewebes) wird gefördert und verbessert.

Yin Yoga ist eine hervorragende Prophylaxe gegen Stress und Burn-out. Das Ziel der Yin und Yang Harmonisierung ist schließlich das Transzendieren aller Dualismen, welches nur durch Hingabe möglich wird. Yin Yoga gilt als der perfekte Gegenpol und Ausgleich zum dynamischen Yoga, und ist für jede Zielgruppe geeignet. Dieser Kurs steht ganz im Zeichen der tiefen Entspannung und Regeneration. Yin Yoga gilt als der Königsweg zur Tiefenentspannung.

Yin Yoga steht nicht in Konkurrenz zu anderen Yogastilen, sondern bildet die perfekte Ergänzung zu ihnen. Wenn du deine Mitte finden möchtest, brauchst du sowohl Yin als auch Yang. Diese beiden Anteile bilden eine ganze Einheit.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/reiki5.png

Durch Entspannung zu neuer Kraft

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/4218222_s.jpgWenn wir eine Yin-Yoga-Stellung in der Yin-typischen Art und Weise einnehmen – also entspannt, ruhig und lange -  kann der Energiefluss harmonisiert werden. Durch die haltungsbedingte Dehnung und Druck verändert sich der Fluss des Qi oder Prana in den Energiebahnen des Körpers und der Organe, die eng mit dem Bindegewebe verbunden sind. Dabei wird der Energiefluss vorübergehend angestaut, um dann durch den reflektorisch intensivierten Fluss die Energiebahnen zu reinigen – die Energie kann wieder frei fließen.

Sicherlich hast du schon einmal gesehen, was sich an Verunreinigungen und Verkrustungen löst, wenn du eine zugedrehte Hauswasserleitung wieder öffnest und durch den Wasserdruck braunes, verschmutztes Wasser herausgeschwemmt wird. So verhält es sich, vereinfacht ausgedrückt, auch bei uns. Nach einer Yin-Yoga-Stunde sind unsere „Leitungen durchgespült“, wir haben wieder mehr Energie, fühlen uns wohler und sind in Harmonie mit uns und der Umwelt.

Bei regelmäßiger Praxis können emotionale und körperliche Blockaden aufgelöst, Beschwerden gelindert und Erkrankungen günstig beeinflusst werden.

Ruhe, Stärke und Energie gewinnen

Wenn wir Yin Yoga regelmäßig praktizieren, zeigt sich mit der Zeit ganz von allein ein natürliches Bedürfnis, regelmäßig zur Ruhe zu kommen, zu meditieren und abzuschalten. Das lernen wir beim Üben kennen, wenn wir zwei Minuten und länger in einer Position verweilen.

Balsam für die Nerven

Die sanfte Art des Übens wirkt ausgleichend im Stress, weil sie den Parasympathikus aktiviert, den Teil unseres Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und Tiefenentspannung zuständig ist. Der oft überaktive Sympathikus, der mit Kampf-, Flucht- und Stressreaktionen verbunden ist, wird hingegen endlich einmal wohltuend besänftigt.

Das Hormon Oxytocin, Endorphine sowie natürliche Opiate wie Morphin und Codein werden während des Übens und danach freigesetzt – sie sind gegen Ängste, Druck, Stress, Depressionen und sogar gegen Schmerzen wirksam.

Unser Gehirn arbeitet während des Übens im Ruhemodus, und Hirnregionen, die Entspannung und Gelassenheit begünstigen, werden aktiviert und dauerhaft gestärkt. Durch die Entspannung können negative alte Gedankenmuster neutralisiert werden: ein wunderbarer Ausstieg aus der berüchtigten Grübelfalle.

Die Wirkung hält auch nach dem Üben an, da wir durch das lange Verweilen in den Haltungen lernen, Geduld, Ausdauer und Durchhaltevermögen zu entwickeln – und dabei kommt es im Gehirn und Nervensystem zu nachhaltigen positiven Veränderungen.

Stresshormone verringern

Die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Kortisol und Noradrenalin wird reduziert und somit auch deren negative Auswirkungen auf Körper und Geist. Dies allein kann zu einer Regulation und Heilung der Köperfunktionen führen. Schmerzen lassen nach, tiefer erholsamer Schlaf setzt ein. Herz, Blutdruck und Blutbild profitieren. Libido, Potenz, Verdauung und Zyklus funktionieren auf einmal wieder. Selbst unser Körpergewicht und Bauchfett normalisiert sich. Die Gefühlswelt wird positiver, klarer, heller, schöner. Die Gehirnfunktionen und psychische Symptome verbessern sich. Und all das kann geschehen, weil durch das sanfte, regelmäßige Üben die Auswirkungen des allgegenwärtigen Stresses auf unser System ausbalanciert wird.

Gewebe, Faszien und Gefühle

Yin Yoga wirkt intensiv auf das Bindegewebe, auf Faszien, Bänder und Sehnen. Bänder verbinden Knochen mit Knochen, Sehnen verbinden Muskeln mit Muskeln und mit den Gelenken, Faszien umhüllen alles. Die Übungen unterstützen die Gelenke und bringen Beweglichkeit in Körperareale, die als scheinbar nicht formbar wahrgenommen werden – wie Hüften, Becken und der untere Rücken.

Um die Wirkung von Yin Yoga zu erklären, ist es sinnvoll, zuerst beim Yang Yoga anzusetzen. Dieser ist – vereinfacht ausgedrückt – aktiv, bewegt und kraftvoll. Das große Repertoire umfasst Hunderte von Haltungen im Stehen, Sitzen und Liegen, Gleichgewichts- und Balancepositionen. Sie erfordern Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Konzentration und Ausdauer. Yang Yogastile (wie Vinyasa, Power, Anusara, Bikram, Ashtanga) fördern damit vor allem Yang-Gewebe: Das sind Gewebe wie Muskeln, die - im Vergleich zu Yin-Geweben – mehr Flüssigkeit enthalten, gut durchblutet, weicher und elastischer sind.

Yin Yoga hingegen ist möglichst passiv und wird sehr achtsam und sanft ausgeführt. Wir konzentrieren uns dabei auf die Stärkung, Nährung und Dehnung des Bindegewebes, stabilisieren und schmieren dadurch die Gelenke und halten sie länger geschmeidig. Yin-Gewebe – also Bindegewebe (wie Faszien, Sehnen, Bänder) und Knochen – sind geringer durchblutet, trockener, härter und unbeweglicher als Yang-Gewebe.

Yin-Gewebe sprechen am besten auf langsame, beständige und gleichmäßige Beanspruchung an – wie bei einer Zahnspange: langer, stetiger Zug und Druck führen zur Formveränderung. Dabei geht es um eine vollkommen andere Dehnungsqualität, als es bei einer Yang-lastigen Muskeldehnung oder Kräftigung der Fall ist.

Die Faszien sind bindegewebige Strukturen, überall im Körper vorhanden – und wurden dennoch lange Zeit von der Wissenschaft missachtet, gar als nutzlos betrachtet.

Neuere Forschungen zeigen die umfassende Bedeutung und den unschätzbaren Wert dieses Gewebesystems für nahezu alle Abläufe im Körper. Damit ist das jahrtausendalte Erfahrungswissen alter Kulturen auch wissenschaftlich bestätigt.

Das feingliedrige Netzwerk der Faszien durchzieht den gesamten Körper. Es erhält die strukturelle Integrität, die Form: Das Gewebesystem sorgt durch seine verbindende, umhüllende und schützende Funktion dafür, dass die einzelnen Teile des Körpers zu einem Ganzen zusammengefügt sind und bleiben. Es ist ein kommunikatives, interaktives, intelligentes Organsystem – das größte des Körpers. Faszien fungieren als elastische Stoßdämpfer, helfen beim Blutfluß und bei biochemischen Prozessen. Eine entscheidende Funktion nehmen sie auch bei der Abwehr gegen Krankheitserreger und Infektionen, sowie bei der Regeneration des Gewebes ein. Mittlerweile wird angenommen, dass die Hyaluronsäure in unserem Fasziengewebe als Substanz und Träger der Meridiane, der innerkörperlichen Energiebahnen, fungieren.

Besorgte Lunge, zornige Leber, grübelnde Milz

In der Körpertherapie wird schon lange der Zusammenhang zwischen Gefühlen und Körpergeweben gesehen. Letztere speichern Emotionen, Traumen und andere Gefühle und Erlebnisse, ebenso wie unser Gehirn und jede andere Zelle des Körpers das tun. Die TCM ordnet speziell den Organen unter anderem bestimmte Gefühle zu – entsprechend ihrem Verständnis von körperlichen Zusammenhängen und Organsystemen: Zum Herzen gehören Gefühle wie Freude, Lust und Lachen; bei Magen und Milz sind es das Sich-Sorgen-Machen und Grübeln; Lunge und Dickdarm ordnet man Gefühle wie Trauer, Melancholie und Besorgnis zu; Niere und Blase werden Furcht, Unsicherheit, Stress, Angst und Schock zugewiesen; und Leber und Gallenblase ordnet man Wut, Zorn und Ärger zu.

Meridiane und Gefühle

Die Organe werden durch spezielle Energieleitbahnen versorgt, die wir durch Übungen gezielt ansprechen können. Indem wir den Qi-Fluss in den Meridianen harmonisieren, kultivieren wir also auch unsere geistigen Eigenschaften. So können wir über den Nierenmeridian Angst besänftigen, Sanftmut und Güte verstärken und kommen auf diese Weise mit unserer wahren, grundgütigen Essenz in Berührung. Über den Lebermeridian können wir Freundlichkeit entwickeln und über den Gallenblasenmeridian Mut und Entschlossenheit stärken. Unser Magenmeridian vermittelt Wohlwollen und Mitgefühl, der Milzmeridian eröffnet unser kreatives Potenzial.

In der Yin Yoga Praxis sprechen wir also die Meridiane an und kommen dadurch in Kontakt mit den im Gewebe gespeicherten Informationen und den mit den Organsystemen korrespondierenden Emotionen. Dies ermöglicht eine Innenschau und bewusste Arbeit an sich selbst, die bei einem eher dynamischen, aktiven Üben mit kurzen Haltezeiten nicht so gut möglich ist.

Im Yin Yoga ist der Weg das Ziel, und Achtsamkeit ist der Führer. Versuche, ohne Erwartungen zu üben, mit kindlicher Freude und Hingabe. Lausche auf deinen Körper, der durch Empfindungen mit dir spricht – und richte dein Üben danach aus.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/durga8.gif