Wintersonnenwende - Jul - Wiederkehr

 

Botschaft der Wintersonnenwende für dich:

Wenn du meinst, die Finsternis umhüllt dich ganz, siehe, ein neues Licht wird geboren. Ein Licht auch für dich.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/holla-yul.jpgDie Zeit der Wintersonnenwende ist rund um den 21. Dezember herum und befindet sich auf dem Jahreskreis im Norden. Sie kennzeichnet dort den Punkt der tiefsten Nacht und die dunkelste Zeit im Winter, in der alle Lebenskraft zu sterben scheint. Und gerade jetzt ändert sich die Richtung, und die Zeichen der Hoffnung auf neues Leben tauchen aus den Tiefen der Nacht auf.

In der Stille des Winters finden wir unsere Vision für unser Leben. In den Stillstand gehen ist jetzt das Thema. Schwere macht sich breit. Der Winter bringt uns die Ruhe, die Spiritualität, die Innenschau und die Weisheit. Die Wintersonnenwende symbolisiert den Rückzug. Die Natur hat sich in die Erde zurückgezogen. Dort ruht und regeneriert sie, bis ihre Zeit wiederkommt.

Die Wintersonnenwende bringt den oft schon lang ersehnten Wendepunkt nach immer düster werdender Zeit. Noch müssen wir warten, bis die Natur bereit sein und ihre Schätze im Frühling nach außen bringen wird. Bevor das Neue Leben im Frühling wieder saft- und kraftvoll sprießen kann, braucht es den Winterschlaf in der Stille, wo der Keim in Ruhe und Geborgenheit den richtigen Zeitpunkt abwartet.  Vielen Projekten, die wir hastig vorantreiben möchten, werden jetzt Steine in den Weg gelegt, und alles dauert seine Zeit. Generell geht eine Phase der Veränderung immer eine Zeit des äußeren Stillstandes voran, eine Zeit der erzwungenen Ruhe, in der einfach nichts geschieht, so dass man manchmal verzweifeln möchte. Das Alte ist zu Ende gegangen, doch das Neue liegt noch in unbekannter Ferne.

Stillstand ist jedoch ein zentraler Bestandteil des Wandlungsprozesses, auf den die Natur nicht verzichten kann. Echte Veränderung beginnt immer im Inneren, im Wesen der Dinge, bevor sie eine materielle Form findet. Wenn die Zeit kommt, um nach draußen zu gehen, wird uns die Natur ihr Signal geben. Es gilt also den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, bevor man aktiv und handelnd in sein Leben eingreift. Der Impuls gleich zur Tat zu schreiten, wenn etwas nicht unseren Vorstellungen entspricht, und sofortige Veränderungen in die Wege zu leiten schadet oft mehr, als er nützt, besonders, wenn es um grundlegende Veränderungen geht.

Gewiss fällt es schwer, die Ungewissheit einer Umbruchsituation auszuhalten vor allem, wenn der Zeitraum zwischen dem Ende des Alten und dem Beginn des Neuen weit auseinander liegt. Doch wenn wir von der Natur lernen wollen, dann gönnen wir uns die Zeit des Rückzugs, in der wir wieder zu uns selbst finden und spüren, was wir brauchen, um die künftige Richtung unseres Weges zu ermitteln. Vielleicht gilt es einfach abzuwarten und die Natur „machen zu lassen“. Denn Rückzug und Innenschau brauchen Zeit um uns mit unseren Visionen zu verbinden, den inneren Bildern unserer Seele. Viele von uns zivilisierten Menschen wissen nicht mehr, wie Geduld und Ausdauer funktionieren, und können nicht mehr spüren, welchen Schatz an innerer Lebensenergie in der Zeit der Ruhe aufgebaut wird. Stattdessen lenken wir uns permanent ab oder entfliehen in südliche Urlaubsländer, warten auf bessere Zeiten in Frühling und Sommer. Diese Zeit der Dunkelheit ist aber jetzt die beste Zeit, um unsere Energietanks aufzufüllen und mit Ruhe und Entspannung ein bis zwei Gänge herunterzuschalten.

Zur Wintersonnenwende feiern wir die Wiedergeburt des Lichts aus der tiefsten Dunkelheit. Der kürzeste Tag und die längste Nacht sind heute erst der Beginn des Winters und es liegen noch lange, sehr kalte Monate vor uns. Doch jeden Tag ist es von nun an wieder einige Minuten länger hell. Wir schmücken unser Heim mit immergrünen Zweigen und roten Beeren die uns daran erinnern, dass es im Tod Leben gibt, dass aus dem Tod das Leben entsteht. 

Vor der Kalenderreform war das Datum der Wintersonnenwende übrigens am 24. Dezember! In der Mutternacht (Modraniht), 24. Dezember, in der Nacht der Schöpfungskraft, erleben wir, dass es selbst im größten und tiefsten Dunkel Licht gibt und selbst im Tod Leben. Es ist die Zeit der tiefsten Finsternis, der längsten Nacht. Die Kraft der Natur hat sich in sich zurückgezogen und wartet auf Erneuerung. Scheinbar ist kein Leben mehr in ihr, bis auf die immergrünen Gewächse, die auch deshalb eng mit der Symbolik dieses Festes verknüpft sind. Der „Atem der Welt“ steht still, und mitten in dieser Ungewißheit findet die große Wende statt, die kosmische Mutter  gebiert die Sonne. In der Nacht, in der das Licht wiedergeboren wird, feiern wir unsere Mutterlinie. Nicht das "Lichtkind" steht im Mittelpunkt, sondern das Wissen, Teil der Kette des Lebens zu sein. Nach diesem entscheidenden Tag werden die Nächte wieder kürzer und die Tage länger.

Dieses Fest ist der Gegenpol zur Sommersonnenwende, Litha, bei der das Licht auf seinem höchsten Punkt angekommen ist, um sich ab dann allmählich wieder zurückzuziehen. Beide Feste lassen uns das tiefe Mysterium des Lebens erfahren, den immer wiederkehrenden Umschwung, der auf jedem Höhepunkt stattfindet.

Kein Wunder also, dass es der Kirche nicht gelang, dieses wichtige heidnische Fest auszurotten, so dass sie es umdeuten und übernehmen mußten: Aus der Geburt des Lichtes durch die kosmische Mutter wurde die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria. Auch der Tannenbaum, der die Menschen daran erinnerte, dass die scheinbar tote Natur doch noch lebt, und der grüne Kranz, als Symbol des immerwährenden Kreislaufes der Natur, wurden von der Kirche übernommen und umgedeutet.

Nach dem Fest der Wintersonnenwende folgen die 12 Rauhnächte, die zwölf Nächte zwischen der Mütternacht am 24. Dezember und der Perchtnacht vom 5. auf den 6. Januar. Die Zeit zwischen den Zeiten beginnt. In dieser Zeit geht es darum, in seinen Tiefen zu "tauchen", um dann daraus die Vision, Perspektiven, für das kommende Jahr entstehen zu lassen.

Auch das Orakeln ist Tradition in den Rauhnächten. Wenn wir schon in unserer Aktivität gehemmt sind, dann wollen wir wenigstens eine Ahnung davon bekommen, wohin unsere Reise im neuen Jahr gehen wird. Diese Vorschau oder Vision gibt uns Hoffnung auf das Lichtvolle, auch wenn wir noch immer zur Ruhe genötigt sind, damit der Same unter der Erde genügend vorbereitet werden kann. Ganz viel passiert jetzt, ohne dass wir etwas dazu tun müssen.