Herbsttagundnachtgleiche - Mabon

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/mabon.jpgZu Mabon, oder die Herbsttagundnachtgleiche, rund um den 21. September herum, können wir uns mit Themen beschäftigen wie Ernten, Grenzen setzen, Entscheidungen treffen und unsere eigene Authorität entwickeln. Der Herbst ist das Alter, die Weisheit. Die Früchte des Lebens werden sichtbar. Die Früchte sollen genossen werden, sie sind schön und stattlich oder unscheinbar, aber voller Süße. Der Altweibersommer ist die Tiefe, die Weisheit, das Wissen um das Kommende, den Übergang, der Tod.

Zur Herbsttag-und-Nachtgleiche können wir im jeden Jahr Bilanz ziehen und das Erlebte integrieren. Wir ernten die Früchte dessen, wofür gearbeitet haben. Wir treten nun in die dunkle Hälfte des Jahres ein und unsere Aufmerksamkeit ist in dieser Zeit mehr auf die Vorgänge in unserem Inneren gerichtet. Es herrscht eine sehr ruhige Grundenergie, um sanft vom Hellen ins Dunkle zu gleiten. Ernte wird eingeholt. Der richtige Zeitpunkt, um auf das Erreichte in diesem Jahr zu schauen und die Fülle wahrzunehmen, klar zu sehen, was in diesem Jahr alles schön war und es dann voll Dankbarkeit mit Mutter Erde zu teilen.

Um den 21. September herum hält die Erde wiederum kurz den Atem an, bevor die dunklen Nächte länger werden. Die Erntezeit ist jetzt beendet, die Vorräte sind eingebracht. Bevor die Herbststürme übers Land wehen und die ersten Fröste sich bemerkbar machen, haben wir noch genügend Gelegenheit, die Freude über unsere Schätze und die Gaben der Erde auszudrücken. Jetzt ist die Zeit der Dankbarkeit an die große, nährende Mutter.

Am 21. September sind Tag und Nacht sind gleich lang. Das geschieht zweimal im Jahr – zu Frühlings und zu Herbstanfang. Nun, da der Herbst beginnt, werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Gegenüber dem Frühlingsfest „Ostara“, dem Beginn der Wachstumszeit, ist nun die Ernte eingebracht. Mit der Herbsttagundnachtgleiche beginnt die Zeit der Zurückgezogenheit und somit wird ein Fest des Übergangs gefeiert.

Dieses Fest bringt noch einmal besonders die heilsame Verbindung zwischen Mensch und Natur, Mensch und Mutter Erde ins Bewusstsein. Schließlich waren die Bäume, die heilsamen Pflanzenessenzen und Kräuter oder der entspannte Spaziergang in der Natur, vielleicht am Wasser oder im Wald, ständige Begleiter und Hilfen auf dem Weg. Wer offen dafür ist, kann verzauberte Augenblicke erleben zwischen all dem buntem Herbstlaub, durch das golden und mit schrägen Strahlen die Sonne scheint.

Kurz ist das Tor zwischen den Welten offen, der Eingang in die inneren Welten zu erspüren. Die Herbsttagundnachtgleiche weist unmissverständlich darauf hin, dass nun die Zeit, in der wir uns mit der irdischen Fruchtbarkeit beschäftigt haben, zu Ende geht und wir uns mehr und mehr auf die bevorstehende geistige Fruchtbarkeit hin orientieren sollen. Die Vorbereitungen für die dunkle Jahreszeit sollten nun beginnen.

Gleichzeitig ist dies die Zeit, in der wir ein Resümee ziehen, ob wir einen fruchtbaren Samen gelegt hatten und diesen auch genügend genährt haben. Jetzt haben wir die Früchte unserer Schöpfungen geerntet, und wir sehen, ob sie sich als Vorrat für die Zukunft eignen. Alles, was noch etwas dürftig ist, muss überprüft werden, ob es genügend Gehalt hat, den Winter zu überleben. Bei der Betrachtung der Ergebnisse dieses Jahres in Beruf, Partnerschaft, Freundschaften und spiritueller Entwicklung dürfen wir lernen, was zu weiterem Wachstum führen kann oder wo wir im nächsten Jahr etwas korrigieren sollten.

Für die Konzentration auf Unzufriedenheit sollte jetzt nach Möglichkeit kein Raum bleiben. Denn es haben uns viele Menschen, Lichtwesen, Naturwesen und die Große Göttin Holle selbst durch das Jahr begleitet und uns reich beschenkt. So ist dies die Zeit der positiven Reflexion, und wir sagen allen Kräften und allen Menschen Danke, die uns in diesem Jahr geholfen haben. Auch wir selbst sind ein Teil der großen Mutter Erde und beschenken das Leben mit unserem Sein und unserem Tun, auch wenn wir nicht immer alles richtig gemacht haben. Die Erde verzeiht wie eine liebende Mutter, wenn ihre Kinder unartig sind, denn sie versteht die Verletzungen, aus denen Wut, Neid, Trauer und Egoismus entstehen. Wir alle sind ihre lernenden Kinder, sie nährt uns ohne Unterschied, und wenn sie einmal wütend ist, merken wir das anhand tosender Stürme, peitschenden Regens, Feuer speiender Lava oder der aufbrechenden Erdkruste. So rüttelt sie uns wach, wenn wir es gar zu wild getrieben haben und nicht mehr daran denken, dass sie auch nur eine Mutter ist.

So sind die Erntedankfeuer, die wir jetzt entzünden, gleichzeitig Dank für die reichlichen Gaben der Natur und Symbol für das langsame Abschiednehmen von der lichten Seite des Jahres. Es wird Zeit, sich von der Hektik zu verabschieden und sich auf die Reise in die inneren Welten zu begeben. Wir tun dies in dem Wissen, dass die Dunkelheit die andere Seite des Lichtes ist und dass der neue Samen für das kommende Jahr nur in der Tiefe und im Schutz der Mutter Erde reifen kann.

An beiden Tag-und-Nacht-Gleichen geht es um das Bewusstsein des aufkeimenden Lebens und der immerwährenden Vergänglichkeit. Das größte Selbstverständnis der Natur – Geburt – Leben – Sterben – Wiedergeburt offenbart sich gerade an den Übergängen, die eigentlich gar nichts Besonderes sind, sondern in diese großen und kleinen Zyklen integriert sind.

Astrologisch befinden wir uns zu dieser Zeit im Übergang von Jungfrau zu Waage. Themen der Jungfrau sind: Gesundheitsbewusstsein, Ordnung schaffen, ein einfaches erdverbundenes Leben, Rituale erschaffen und sie täglich durchführen. Bei ihr geht es um das realistische Vorsorgen für den Winter und die Zukunft sowie darum, die inneren Bedürfnisse mit der äußeren Realität in Einklang zu bringen. Wichtig sind nun die Bedürfnisse des Körpers, der Seele und des Geistes als auch die Anpassung an die äußere Realität. Daran schließt sich die Waage an, die sich darum bemüht, Bilanz zu ziehen sowie Harmonie und Ausgleich herzustellen. Bei ihr geht es um die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse, das Denken und Handeln des anderen einzufühlen. Es geht um das Du, darum, einen anderen Standpunkt einnehmen zu können, um Verständnis, um das Gleichgewicht der Kräfte und um Toleranz. Und es geht um Leichtigkeit und Freundlichkeit, Harmonie und Schönheit, Genuss und Ästhetik.

Auf der Ebene der menschlichen Entwicklung ist dies die Phase von Anfang bis Ende 60. Viele beginnen, sich in dieser Zeit auf einen neuen Lebensabschnitt einzustellen, das Leben neu zu ordnen. Für manche beginnt mit 63 bis 65 Jahren der Ruhestand, für andere ein neuer Zustand der Unruhe und Veränderung. Die materielle Ernte der arbeitsreichen Jahre wird eingefahren; oftmals werden nun die angesparten Versicherungen ausgezahlt und vorsorgend angelegt. Es ist eine gute Zeit um Bilanz zu ziehen, Abschied zu nehmen von den anstrengenden, häufig fremdbestimmten berufstätigen Jahren. Was haben wir bewirkt in unserem Arbeitsleben? Welche Spuren haben wir hinterlassen? Was wird weitergeführt und was geht zu Ende, wenn wir uns aus unserem Beruf verabschieden?

Es geht darum sich neu zu orientieren, den eigenen Rhythmus und das eigene Tempo neu zu definieren, sich auf die Zeit des Älterwerdens und das allmähliche Nachlassen der Kräfte einzustellen.

Es ist eine wichtige Zeit der Veränderung, des Abschiednehmens, des Umbruchs und der Neuorientierung. Diese Lebensphase bietet uns Frauen mehr, als uns die heutige Zeit normalerweise zugestehen will, und wir müssen selbst herausfinden, was wir aus dieser Zeit für uns machen. In damaligen vom Matriarchat bestimmten Epochen hatten die älteren Frauen wichtige Funktionen im Staat und in der Gesellschaft, in der Religion und in der Rechtsprechung. Sie wurden als unabhängige, starke, erfahrene und kluge Frauen als Ratgeberinnen, Wächterinnen über die Gesetze des Lebens oder als Priesterinnen geachtet und gewürdigt.

Die Energie der Göttin zu dieser Jahreszeit zur Herbsttagundnachtgleiche ist die der dunklen Seite integrierenden Göttin, die Heilerin und Schamanin, die Moosfrau, die Bergfrau, die frei und selbstbestimmt lebt. Sie ist die Gesetzeshüterin, die weise und unabhängig über die Gesetze des Lebens wacht. Sie ist auch die Göttin des Ackerbaus und der Ernte. Sie habt uns reichlich mit Nahrung beschenkt und dafür danken wir ihr, indem wir ihr Geschenke machen. Früher wurden dazu auf den Feldern Korngarben oder Feldfrüchte zurückgelassen, auf Altären wurden Obst und Gemüse sowie neuer Wein oder frisches Bier geopfert.

In einigen Mythen wird der Rückzug der Vegetation, das Sterben der Pflanzen auf der Erde, in Verbindung damit gebracht, dass die Tochter der Göttin in die Unterwelt entschwindet und alles Leben mit sich nimmt. Die Mutter, die Quelle allen Wachstums, bleibt zurück, trauert um ihre Tochter und sucht sie überall wehklagend. Es dauert bis zum nächsten Frühjahr, bis die Tochter zurückkehrt und Mutter Natur erleichtert wieder Erwacht und fruchtbar wird. Demeter/Persephone Mythos, oder Ceres/Proserpina.

Die Themen dieser Zeit lösen Schmerz, Zorn und Wut aus: Es sind Trennung und Verlust, Trauer und die Suche nach dem Verlorenen. Doch das Einlassen auf diese dunklen und machtvollen Gefühle führt dazu, dass sie sich allmählich wandeln und letztlich wieder zu Hoffnung und Freude über die Wiederkehr des Lebens im Frühjahr werden. Die Kraft, diese schwierige Phase durchzustehen und sich mit dem Schmerz zu versöhnen, entsteht aus der Gewissheit über den ewigen und natürlichen Kreislauf des Lebens.

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Über diesen Jahreskreislauf bewegen wir uns Jahr für Jahr auf unserem Lebensweg im Einklang mit der Natur, und finden unseren persönlichen, natürlichen Rhythmus wieder, der uns ins Zentrum, in die eigene Mitte (zur Göttin in uns) zurückführt.  Die Göttin lehrt uns Unterscheidung, Urteilsvermögen und das Wesen der Kreativität. Sie hilft uns unseren inneren Entschluss zu stärken, dem Pfad unserer Seele zu folgen.

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